Missgeschick mit Folgen

Sylvia warf einen letzten, kritischen Blick in den Spiegel und verabschiedete sich von Tom mit einem Kuss auf die Wange: „Also dann, mach’s gut. Bis heute Abend.“
„Ja, bis heute Abend und lass es dir gut gehen!“

Kaum war Sylvia aus dem Haus, griff Tom auch schon zu seinem Handy.
Nach kurzer Zeit meldete sich eine Stimme: „Ja, Tom?“
„Guten Morgen Theresa, ja, ich bin’s. Sylvia hat sich gerade auf den Weg zur Arbeit gemacht. Ich muss mich nur noch schnell fertig machen und könnte in einer halben Stunde beim Café Schucan sein. Passt dir das?“
„Na klar, geht in Ordnung. Bis gleich – ich freu’ mich!“
Aufgeregt räumte Tom den Frühstückstisch ab. Wenn Sylvia wüsste! Sein Herzschlag beschleunigte sich bei dem Gedanken an sein Vorhaben. In den zehn Jahren, die sie bereits miteinander verheiratet sind, hatte er noch nie Geheimnisse vor ihr.

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Die Aktentasche 1. Teil

Ausgerechnet am Sonntag, seinem freien Tag, regnet es seit den Morgenstunden unaufhörlich. Schon gestern war wieder so ein Tag, den Heiner verflucht hat. Ausnahmsweise hatte er an einem Samstag frei, aber wie das Leben spielt, haben sich eine Menge Dinge angestaut, die erledigt werden mussten. So rannte er in der Stadt von Juwelier zu Juwelier, weil sich seine Freundin Vera zum Geburtstag ein ganz bestimmtes Armband gewünscht hat. Natürlich gab es enorme Preisunterschiede, und er hätte gar nicht sagen können, dass die teuren Armbänder unbedingt auch die waren, denen man den Preis ansehen konnte. Letztlich entschied sich Heiner aber doch für ein Schmuckstück, das ihm die Verkäuferin empfohlen hat, obwohl damit eigentlich schon seine Schmerzgrenze überschritten war. Als er endlich mit dem Geschenk nach Hause kam, reichte die Zeit nicht einmal mehr zum Wechseln der Winter- auf Sommerreifen.

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Ein Zeitzeuge

Der Arzt H. St. Hartmann pendelte Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen Amerika und Europa, um bei fast allen spektakulären Eingriffen seiner Zeit dabei sein zu können. Nur selten haben die langen Wege ihn daran gehindert, denn das Flugzeug war noch nicht erfunden. Und es kam immer wieder vor, dass man sogar auf ihn gewartet hat und die Operation deshalb hinauszögerte. Seine gesammelten Erfahrungen hat er in den Bänden „Das Jahrhundert der Chirurgie“ und „Das Weltreich der Chirurgen“ zunächst für die Nachwelt festgehalten. Für eine Veröffentlichung seiner Werke hat er zur Bedingung gemacht, dass nur der Nachfahre Nutzen aus seiner umfangreichen Dokumentation ziehen darf, der sowohl Arzt als auch Schriftsteller ist. Sein Enkel Jürgen Thorwald hat diese Voraussetzungen erfüllt, die medizinischen Sensationen rund einhundert Jahre später äußerst spannend aufbereitet und unter dem Titel „Die Geschichte der Chirurgie“ veröffentlicht.

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Wie wurden früher Operationen durchgeführt?

Vor der Einführung der Anästhesie, also einer gezielten und wirksamen Schmerzausschaltung, mussten Operationen bis zum Jahre 1846 ohne Betäubung durchgeführt werden. Oftmals sind die Patienten nicht an der eigentlichen Operation, sondern an einem Schock gestorben. Für einen Chirurgen der damaligen Zeit zählte nur die Schnelligkeit und es war die Regel, sehr zügig zu arbeiten. Von Robert Liston ist überliefert, dass er bei der ersten in Narkose durchgeführten Beinamputation aus Gewohnheit noch schnell gearbeitet hat, denn die Chirurgen standen vor der Einführung der Anästhesie unter enormem zeitlichen Druck. Heute misst man dem Zeitfaktor für eine Amputation nur noch eine untergeordnete Rolle zu, denn der Erfolg einer Operation und die Genesung des Patienten stehen im Vordergrund!

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Das frühe Interesse am menschlichen Körper

Schon der 199 n. Chr. verstorbene Galenos von Pergamon, den die meisten Menschen nur unter dem Namen Galen kennen, war neugierig, wie ein Körper von innen aussieht. Der Leibarzt von Marc Aurel war Gladiatorenarzt und hat auch die Funktionen des Gehirns und die davon ausgehenden Nerven nachgewiesen. In Schriften hat er darüber berichtet und über Jahrhunderte haben alle Gelehrten sein „Wissen“ ungeprüft übernommen. Doch der Ende des 15. Jahrhunderts zur Welt gekommene Theophrast von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, äußerte schon Kritik an der von Galen verbreiteten Lehrmeinung. Diese „Viersäftelehre“ beruhte auf der Annahme, dass alle Krankheiten auf einer Störung des Gleichgewichts der vier Körpersäfte (Schleim, schwarze und gelbe Galle, Blut) beruhen. Mutig hat er die bis dato gültigen Lehren der Schulmedizin als Irrlehren angeprangert und seine Kollegen als „Kurpfuscher“ beschimpft. Es liegt auf der Hand, dass ihm seine Kollegen das verübelten und ihn zu ihrem Gegner machten. Paracelsus selbst hat noch dazu beigetragen, die Kluft weiter zu vertiefen und so hat er auch die Apotheker mit der von ihnen hergestellten „Drecksmedizin“ angegriffen.

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Mein Opa war Bergmann – 1. Teil

Anna besucht die dritte Klasse der Mosaikschule in Gladbeck. Heute sollen die Schüler mit Wachs­malstiften ein herbstliches Bild malen. Ihre Leh­rerin Frau Welscher hat ihnen die Entscheidung des Motivs überlassen. Einige Kinder haben sich für eine Landschaft entschieden, andere für einen Garten. Alle arbeiten über ihre Zeichenblöcke gebeugt mit Begeisterung an ihrem Bild, bis plötzlich Hatice laut auflacht. Anna ist versehentlich mit ihren beschmierten Fingern über ihr Gesicht gefahren, das jetzt ganz schwarz ist. Recep sieht von seiner Zeichnung auf und ruft: „Wie siehst du denn aus? Wie mein Opa!“

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Ein paar grundsätzliche Dinge zur Handhabung dieses Buches

Mein Anliegen ist es, Ihnen als Patient die Angst vor einer Ope­ration zu nehmen. Nun kann niemand im Voraus sagen, wie ein Eingriff verlaufen wird. Das ist aber nicht nur bei Operationen der Fall: Sie machen sich auch keine Gedanken darüber, wie Ihre tägliche Fahrt zur Arbeit verlaufen wird oder ob Sie nicht gerade heute unglücklich stürzen werden. Allenfalls bei einer längeren Urlaubsfahrt kommen Sie schon einmal ins Grübeln und hoffen, dass Sie Ihr Ziel unbeschadet und ohne Zwischen­ fälle erreichen werden.

Was alle anderen kritischen Situationen von der Gefahr, die von einer Operation ausgeht, unterscheidet, ist lediglich die Un­kenntnis darüber, was während eines Eingriffs geschieht. Was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, zu denen außer den Ärzten und den OP-Schwestern niemand Zutritt hat, wissen die meisten Patienten nicht. Allein diese Tatsache macht vielen schon Angst! Mit diesem Buch will ich genau diese Wissens­lücke schließen und Einblicke in eine unbekannte Welt geben.

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Von der Idee zur Tat

Mein erster Schritt bestand darin, dass ich einen guten Bekannten um eine Vermittlung bei den entsprechenden Stellen der Ruhrkohle AG gebeten habe. Nachdem das erste Feedback mir Hoffnungen machte und ich ungeduldig nachfragte, wurde ich belehrt: Der Bergbau plant zwar lange, aber dafür auch gut! Und selbstverständlich müsse mein Besuch bei der Bergbehörde beantragt und genehmigt werden. Da es sich in diesem Fall nicht nur um eine normale Grubenfahrt handelt, wie sie sonst schon mal Besuchergruppen erlaubt wird, müssen enorme Anstrengungen für diesen Ausnahmefall seitens der RAG unternommen werden. So hieß es für mich, dass ich mich weiterhin in Geduld üben muss, was nicht gerade zu meinen Stärken zählt.

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Buer – Dienstag, 7. März 1972, 9.30 Uhr

Gerade klingelt es zur großen Pause. Das wird aber auch langsam Zeit! Frau Middeldorf unterrichtet die Hauptschüler einer neunten Klasse in Buer im Fach Erdkunde und ihr Unterricht wirkt auf die Schüler wie eine Schlaftablette.
„Halt! Noch einen Moment! Als Hausaufgabe gebe ich euch …“, Frau Middeldorf verstummt, denn die Hälfte der Schüler hat schon längst den Klassenraum verlassen, und die übrig gebliebenen strafen ihre Lehrerin mit Missachtung.

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Die Entführung

Heute bleiben Daniel und Sabrina das erste Mal einen Abend alleine zu Hause. Ihre Eltern gehen ins Theater und haben sich Karten für eine Oper besorgt, auf die sie sich schon lange freuen. Wenn die Eltern in der Vergangenheit zu einer Feier bei Freunden eingeladen waren, kam immer ihre Oma Hanni zu Besuch und passte auf die beiden Kinder auf. Doch vor wenigen Wochen ist Oma ganz plötzlich verstorben. Die Eltern wollten sich schon an der Theaterkasse erkundigen, ob sie ihre Eintrittskarten zurückgeben können. Aber der zwölfjährige Daniel konnte sie davon überzeugen, dass er und Sabrina schon alt genug und vernünftig sind, um einen Abend alleine bleiben zu können. Seine Schwester wird immerhin auch schon bald ihren zehnten Geburtstag feiern. Nachdem die Familie noch zusammen zu Abend gegessen hat, schauen die Kinder zu, wie der Vater einen Mantel aus dem Schrank holt und ihn der Mutter reicht.

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