Gerade klingelt es zur großen Pause. Das wird aber auch langsam Zeit! Frau Middeldorf unterrichtet die Hauptschüler einer neunten Klasse in Buer im Fach Erdkunde und ihr Unterricht wirkt auf die Schüler wie eine Schlaftablette.
„Halt! Noch einen Moment! Als Hausaufgabe gebe ich euch …“, Frau Middeldorf verstummt, denn die Hälfte der Schüler hat schon längst den Klassenraum verlassen, und die übrig gebliebenen strafen ihre Lehrerin mit Missachtung.
Meine Frau kommt mit ihrem Mann
Dagmar und Andreas begegnen sich nach fast vier Jahrzehnten zufällig wieder und spüren sofort, wie vertraut sie einander geblieben sind. Aus zunächst harmlosen Mails entsteht eine Nähe, die beide überrascht und zugleich verunsichert. Denn inzwischen haben sie eigene Familien gegründet, tragen Verantwortung und leben in Strukturen, die sie nicht gefährden wollen.
Trotzdem lassen sich die wieder erwachten Gefühle nicht ignorieren. Sie drängen an die Oberfläche, stellen Gewissheiten infrage und bringen Dagmar und Andreas in einen inneren Konflikt, der sie zwischen Loyalität und Sehnsucht hin‑ und herreißt.
Paderborn – Dienstag, 21. Februar 2012, 0.41 Uhr
Meine Liebste,
zuerst hast du mir geschrieben, dass du dich von Philipp trennen und zu einer Anwältin gehen willst. Dann kam deine SMS, dass wir uns trennen, und deine lange Mail deshalb für mich nicht mehr so schlimm wäre. Ich liebe dich so sehr, dass ich das nicht ertragen kann. Die Vorstellung, dich nie wieder in meinen Armen zu halten, dich nicht mehr streicheln zu dürfen, dich nie mehr zu küssen… Ich habe dir gesagt, dass ich dich für immer lieben werde, bis zu meinem Tod, und das ist auch so. In zwei bis drei Stunden werde ich tot sein, und danach endet dann auch meine Liebe, denn von mir wird nichts bleiben.