Wenn ich auf Reisen gefragt werde, woher ich komme, dann ist mit „Ruhrgebiet“ in der Regel die Frage erschöpfend beantwortet. Im Ausland wird mir durch ein Kopfnicken signalisiert, dass man mich nun geographisch einordnen kann. Befinde ich mich in deutschen Landen, erreicht mich eher ein bedauernswertes „Aha“. Jeder weiß jetzt, woher ich komme: Aus dem „Kohlenpott“! Wo die Luft von den Abgasen der zahlreichen Schornsteine verpestet, ist und wo es keine Grünflächen gibt. Man hat es auch schon längst geahnt, denn mein Ruhrgebietsdialekt hat mich verraten. So bedauernswert die Blicke auch sein mögen, sie können mich nicht treffen und ebenso wenig verletzen. Diese Erfahrung teile ich mit den meisten Menschen, die hier aufgewachsen sind.
Ein Kind des Ruhrgebiets
Ein Kind des Ruhrgebiets vereint Kurzgeschichten, die zwischen Humor, Spannung, Alltagschaos und überraschenden Wendungen wechseln. Kriminalfälle, Beziehungsstress, turbulente Familienfeiern, atemberaubende Klettertouren und Erinnerungen an frühere Zeiten im Pott zeichnen ein lebendiges Bild einer Region, in der Streit, Enttäuschung, Freude und Zusammenhalt oft nah beieinander liegen. Manche Episoden beruhen auf eigenen Erlebnissen der Autorin, andere stammen aus Erzählungen von Bekannten oder entspringen vollständig ihrer Fantasie – doch alle tragen das unverwechselbare Lebensgefühl des Ruhrgebiets in sich.