Mein erster Schritt bestand darin, dass ich einen guten Bekannten um eine Vermittlung bei den entsprechenden Stellen der Ruhrkohle AG gebeten habe. Nachdem das erste Feedback mir Hoffnungen machte und ich ungeduldig nachfragte, wurde ich belehrt: Der Bergbau plant zwar lange, aber dafür auch gut! Und selbstverständlich müsse mein Besuch bei der Bergbehörde beantragt und genehmigt werden. Da es sich in diesem Fall nicht nur um eine normale Grubenfahrt handelt, wie sie sonst schon mal Besuchergruppen erlaubt wird, müssen enorme Anstrengungen für diesen Ausnahmefall seitens der RAG unternommen werden. So hieß es für mich, dass ich mich weiterhin in Geduld üben muss, was nicht gerade zu meinen Stärken zählt.
Aber dann war es plötzlich so weit: Ich erhielt einen Anruf und sollte mich mit dem Leiter für Kommunikationsarbeit in Kamp-Lintfort in Verbindung setzen. Erste Gespräche wurden geführt und viele Fragen mussten geklärt werden. In diesem Zusammenhang interessierte es mich natürlich auch, ob ich da unten auch Fotos machen kann, die so eine Dokumentation aufwerten würden. In diesem Punkt war ich wohl sehr naiv, denn eine „normale“ Kamera würde dort zu einer großen Gefahr werden. Man klärte mich darüber auf, dass unter Tage alle Teile schlagwettergeschützt sein müssen, um eine Explosion zu verhindern. Da war ich schon wieder etwas schlauer!
Nun musste ich aber auch einige praktische Dinge klären: Von meinem damaligen Wohnort in der Nähe von Recklinghausen wäre es sicher kein Problem gewesen, jeden Morgen nach Kamp-Lintfort zu fahren und am Nachmittag wieder zurück nach Hause. Nur hätte ich dann kaum noch die Zeit gefunden, über meine Erlebnisse vom Tage zu schreiben. Ich wollte mir wenigstens tägliche Notizen machen können und dazu war es nötig, mir vor Ort ein Zimmer zu besorgen. Ich erkundigte mich also bei der Stadtverwaltung, welches Hotel man mir empfehlen könnte. Es sollte möglichst in der Nähe des Bergwerkes gelegen sein. Ich hatte Glück, denn nur fünf Gehminuten entfernt gab es das nächste Hotel. Dort ein Einzelzimmer zu einem akzeptablen Preis zu bekommen war kein Problem, doch hatte ich nicht bedacht, dass das Frühstück erst ab 7.00 Uhr angeboten wird, ich mich aber bereits um 6.00 Uhr morgens im Bergwerk einfinden musste. Ich war zunächst ratlos und unterrichtete das Hotel von meinem Vorhaben und wo das Problem liegt. Eine Lösung wurde schnell gefunden, so sollte ich bereits am Abend von der Spätschicht mit Brot und Belag versorgt werden. Da ich lieber Tee als Kaffee trinke, wurden mir für die Dauer meines Aufenthalts ein Wasserkocher und ein paar Beutel Tee zur Verfügung gestellt. Doch offensichtlich war das in dem Hotel noch nie praktiziert worden, denn als ich dort anreiste, wartete ich am ersten Abend vergeblich auf mein Frühstückstablett und musste gezielt danach fragen.
Was geht unter Tage ab? von Beatrix Petrikowski

Books on Demand 2014
Broschur
92 Seiten
ISBN 978-3-7357-7197-1