Der Verein für Orts- und Heimatkunde hat zu einer Wanderung auf dem neuen Bergbauwanderweg eingeladen. Etwa dreißig Interessierte sind dieser Einladung gefolgt und treffen sich am 18. Mai, einem Freitagnachmittag. Startpunkt der Tour ist der Festplatz an der Horster Straße, hinter dem eine Hangböschungshalde zu sehen ist. In den Anfängen des Bergbaus wurde versucht, das anfallende Bergematerial aus dem Streckenvortrieb möglichst unauffällig in der näheren Umgebung der Schachtanlage zu verbringen. Typisch für diese Zeit sind Hangböschungshalden, wobei das Bergematerial einfach an einen Hang geschüttet wurde. Sie waren die Vorläufer der aufgeschütteten Halden, die heute im gesamten Ruhrgebiet zu sehen sind.
Mit von der Partie sind einige Mitglieder des REVAG Geschichtskreises Zeche Graf Moltke, die den Wanderweg mit vielen interessanten Stationen angelegt haben. Er kann in einer kleinen Runde von sieben Kilometern, aber auch in voller Länge von zehn Kilometern begangen werden. Die Graf Moltke-Halde mit der schönen Aussicht, auf der Bänke zum Ausruhen und Verweilen einladen, sollte man in jedem Fall besuchen. Nach der Begrüßung und einigen einführenden Worten durch Heinz Enxing vom Heimatkundeverein und Walter Hüßhoff vom Geschichtskreis geht es trockenen Fußes, denn der von den Wetterfröschen angesagte Regen bleibt glücklicherweise aus, zum ehemaligen Gelände der Schachtanlage Graf Moltke 1/2, vorbei an schicken Eigenheimen. Hinter einer kleinen Einzäunung zeugen zwei Schachtdeckel mit Protegohauben von der Existenz der längst abgerissenen Fördertürme. Auf dem Gelände des Freizeittreffs Karo, das aus vier einzelnen Gebäuden besteht, befindet sich die erste Schautafel der Tour mit vielen interessanten Informationen und einem Luftbild der Schachtanlage Graf Moltke 1/2 aus dem Jahre 1927. Dahinter sind am Spielplatz die Überreste der Grundmauer des alten Lokschuppens zu sehen.

Bevor es in gemächlichem Anstieg auf die Moltke-Halde geht, von der die Teilnehmer der Wanderung einen herrlichen Blick auf die Schachtanlagen Hugo und Nordstern, die Rungenberghalde, den Tetraeder, die Stadt Gladbeck oder auch die Schalke Arena genießen können, führt der Weg durch drei Moltke-Siedlungen, die Anfang der 1950er Jahre von der „Siedlergemeinschaft gegen Wohnungsnot“ gegründet wurden. In der I. Moltkesiedlung ist eine weitere Schautafel zu finden, die über die Entstehung der Siedlung durch Gemeinschaftsarbeit der Bergleute informiert. Karl Otte, der viele Jahre im Bergbau als Maschinist und später im Wohnungswesen gearbeitet hat, kann den Teilnehmern zu diesem Thema viele zusätzliche Informationen geben. Auf der Halde Graf Moltke angekommen, wird bei einer Rast mit einem Schnaps das Bergmannslied „Glück auf, der Steiger kommt“ angestimmt. Dort rezitiert Walter Hüßhof das Gedicht „Sieben Halden Rundblick“ von Kurt Küther, bevor es weiter zum ehemaligen Gelände der Zeche Graf Moltke 3/4 geht, das saniert wurde und auf dem der „Gewerbepark Brauck“ entstanden ist. Lediglich ein altes Kauengebäude, in dessen Turm sich einmal auf allen vier Seiten eine Zechenuhr befand, ist noch erhalten geblieben.

In der Phönixstraße wurden von 1898 bis 1901 Wohnungen für Bergwerksangestellte errichtet, die Häuser sind inzwischen zum größten Teil restauriert und fanden neue Bewohner. Nach einem Abstecher in die IV. Moltke-Siedlung ist im weiteren Verlauf hinter den Häusern der Steinstraße ein Stück der alten Zechenmauer zu sehen. Eine Besonderheit, die man aber leider wegen akuter Einsturzgefahr nicht besichtigen kann, ist das im Januar 1945 errichtete Stollenkrankenhaus. Der Stollen in der Halde diente der Bevölkerung während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg als Bunker. Wegen der völligen Zerstörung des Barbara-Hospitals wurde in dreimonatiger Bauzeit das Stollenkrankenhaus errichtet. Bergleute, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, aber auch Freiwillige, arbeiteten fast ununterbrochen, Tag und Nacht, daran.
Fast wieder zurück am Ausgangspunkt, führt der Weg durch die Moltkestraße, die nach dem Krieg in Uhlandstraße umbenannt wurde. Dort ist die älteste Zechensiedlung von Gladbeck zu finden. Von Klaus-Wilhelm Rottmann, dem Vorsitzenden der I. Moltkesiedlung, erfahren die Teilnehmer viel Interessantes und Wissenswertes über die Arbeiter- und Wohnkultur in Gladbeck. Die Siedlung wurde im Jahr 1888 von der Zeche „Graf Moltke“ errichtet und der älteste Teil steht heute unter Denkmalschutz. Vier Familien, die zusätzlich verpflichtet waren, einen Kostgänger aufzunehmen, bewohnten ein solches Haus, zu dem jeweils ein Stall, ein Schuppen und ein Plumpsklo gehörten. Von dort führt der kürzere Weg auf die weithin sichtbare Lambertikirche zu. Auf dem Kirchplatz ist eine Skulptur von 1823 zu sehen, die das alte Dorf mit dem ursprünglichen Bachverlauf zeigt, das mit „Gladebecke“ Pate für die spätere Namensgebung stand. Vorbei am historischen Rathaus, vor dem eine weitere Schautafel mit Informationen aufgestellt wurde, endet der Bergbauwanderweg im Rathauspark. Hier ist der „Stein des Bergmanns“ von Anatol, der bei den Bergleuten wenig Anklang fand, zu finden. Auf der letzten Station der Wanderung erläutert Heinz Enxing den Teilnehmern ausgiebig die Darstellungen auf der Stadtgeschichtssäule des Bildhauers Gottfried Kappen, die bei der städtischen Galerie im Rathauspark zu finden ist. Hier endet auch der etwa sieben Kilometer lange Bergbauwanderweg, der zu einem ersten persönlichen Kontakt zwischen uns, den Autoren, und Walter Hüßhoff führt, der uns bei dieser Gelegenheit spontan zu einem monatlich im Freizeittreff Karo stattfindenden Bergmannsfrühstück einlädt.
