Nachdem ich mein erstes Buch über den Bergbau „Was geht unter Tage ab?“ fertig gestellt hatte, kam mir spontan die Idee, ein Buch über alle Vorgänge, die mit einer Operation zusammenhängen, zu schreiben. Dazu wollte ich nicht nur in einem Krankenhaus die Patienten vor einer geplanten Operation über ihre Ängste befragen, sondern auch bei den anstehenden Operationen live dabei sein.
Was geht im Operationssaal ab?
Was geht im Operationssaal ab? richtet sich an Menschen, die eine Operation bevorsteht und deren Sorgen oft zwischen Unsicherheit, Kontrollverlust und der Angst vor der Vollnarkose schwanken. Das Buch zeigt, wie belastend eine medizinische Ausnahmesituation sein kann – besonders dann, wenn Angst zur Blockade wird und Gespräche mit Ärzten nur noch bruchstückhaft ankommen. Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich einem fremden Umfeld ausgeliefert, während für das Klinikpersonal Routine herrscht.
Genau hier setzt das Buch an: Es nimmt Leserinnen und Leser mit auf eine verständliche, bildgestützte Reise durch den gesamten Ablauf einer Operation – von der Vorbereitung über den Eingriff bis zur Rückverlegung ins Krankenzimmer. Ein geschichtlicher Rückblick und Einblicke in frühe chirurgische Methoden schaffen zusätzlich Orientierung. Ziel ist es, Ängste zu reduzieren, indem transparent gezeigt wird, was hinter den Türen des Operationssaals geschieht und wie medizinische Teams arbeiten. So entsteht ein Zugang zu einem Bereich, der sonst nur Fachleuten vorbehalten ist.
Ein paar grundsätzliche Dinge zur Handhabung dieses Buches
Mein Anliegen ist es, Ihnen als Patient die Angst vor einer Operation zu nehmen. Nun kann niemand im Voraus sagen, wie ein Eingriff verlaufen wird. Das ist aber nicht nur bei Operationen der Fall: Sie machen sich auch keine Gedanken darüber, wie Ihre tägliche Fahrt zur Arbeit verlaufen wird oder ob Sie nicht gerade heute unglücklich stürzen werden. Allenfalls bei einer längeren Urlaubsfahrt kommen Sie schon einmal ins Grübeln und hoffen, dass Sie Ihr Ziel unbeschadet und ohne Zwischen fälle erreichen werden.
Was alle anderen kritischen Situationen von der Gefahr, die von einer Operation ausgeht, unterscheidet, ist lediglich die Unkenntnis darüber, was während eines Eingriffs geschieht. Was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, zu denen außer den Ärzten und den OP-Schwestern niemand Zutritt hat, wissen die meisten Patienten nicht. Allein diese Tatsache macht vielen schon Angst! Mit diesem Buch will ich genau diese Wissenslücke schließen und Einblicke in eine unbekannte Welt geben.
Das frühe Interesse am menschlichen Körper
Schon der 199 n. Chr. verstorbene Galenos von Pergamon, den die meisten Menschen nur unter dem Namen Galen kennen, war neugierig, wie ein Körper von innen aussieht. Der Leibarzt von Marc Aurel war Gladiatorenarzt und hat auch die Funktionen des Gehirns und die davon ausgehenden Nerven nachgewiesen. In Schriften hat er darüber berichtet und über Jahrhunderte haben alle Gelehrten sein „Wissen“ ungeprüft übernommen. Doch der Ende des 15. Jahrhunderts zur Welt gekommene Theophrast von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, äußerte schon Kritik an der von Galen verbreiteten Lehrmeinung. Diese „Viersäftelehre“ beruhte auf der Annahme, dass alle Krankheiten auf einer Störung des Gleichgewichts der vier Körpersäfte (Schleim, schwarze und gelbe Galle, Blut) beruhen. Mutig hat er die bis dato gültigen Lehren der Schulmedizin als Irrlehren angeprangert und seine Kollegen als „Kurpfuscher“ beschimpft. Es liegt auf der Hand, dass ihm seine Kollegen das verübelten und ihn zu ihrem Gegner machten. Paracelsus selbst hat noch dazu beigetragen, die Kluft weiter zu vertiefen und so hat er auch die Apotheker mit der von ihnen hergestellten „Drecksmedizin“ angegriffen.
Wie wurden früher Operationen durchgeführt?
Vor der Einführung der Anästhesie, also einer gezielten und wirksamen Schmerzausschaltung, mussten Operationen bis zum Jahre 1846 ohne Betäubung durchgeführt werden. Oftmals sind die Patienten nicht an der eigentlichen Operation, sondern an einem Schock gestorben. Für einen Chirurgen der damaligen Zeit zählte nur die Schnelligkeit und es war die Regel, sehr zügig zu arbeiten. Von Robert Liston ist überliefert, dass er bei der ersten in Narkose durchgeführten Beinamputation aus Gewohnheit noch schnell gearbeitet hat, denn die Chirurgen standen vor der Einführung der Anästhesie unter enormem zeitlichen Druck. Heute misst man dem Zeitfaktor für eine Amputation nur noch eine untergeordnete Rolle zu, denn der Erfolg einer Operation und die Genesung des Patienten stehen im Vordergrund!
Ein Zeitzeuge
Der Arzt H. St. Hartmann pendelte Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen Amerika und Europa, um bei fast allen spektakulären Eingriffen seiner Zeit dabei sein zu können. Nur selten haben die langen Wege ihn daran gehindert, denn das Flugzeug war noch nicht erfunden. Und es kam immer wieder vor, dass man sogar auf ihn gewartet hat und die Operation deshalb hinauszögerte. Seine gesammelten Erfahrungen hat er in den Bänden „Das Jahrhundert der Chirurgie“ und „Das Weltreich der Chirurgen“ zunächst für die Nachwelt festgehalten. Für eine Veröffentlichung seiner Werke hat er zur Bedingung gemacht, dass nur der Nachfahre Nutzen aus seiner umfangreichen Dokumentation ziehen darf, der sowohl Arzt als auch Schriftsteller ist. Sein Enkel Jürgen Thorwald hat diese Voraussetzungen erfüllt, die medizinischen Sensationen rund einhundert Jahre später äußerst spannend aufbereitet und unter dem Titel „Die Geschichte der Chirurgie“ veröffentlicht.