Vor der Einführung der Anästhesie, also einer gezielten und wirksamen Schmerzausschaltung, mussten Operationen bis zum Jahre 1846 ohne Betäubung durchgeführt werden. Oftmals sind die Patienten nicht an der eigentlichen Operation, sondern an einem Schock gestorben. Für einen Chirurgen der damaligen Zeit zählte nur die Schnelligkeit und es war die Regel, sehr zügig zu arbeiten. Von Robert Liston ist überliefert, dass er bei der ersten in Narkose durchgeführten Beinamputation aus Gewohnheit noch schnell gearbeitet hat, denn die Chirurgen standen vor der Einführung der Anästhesie unter enormem zeitlichen Druck. Heute misst man dem Zeitfaktor für eine Amputation nur noch eine untergeordnete Rolle zu, denn der Erfolg einer Operation und die Genesung des Patienten stehen im Vordergrund!
An diesem Beispiel wird deutlich, welches Geschick von jeher einem Chirurgen abverlangt wurde, denn das Wort Chirurgie, das sich vom Griechischen ableitet, bedeutet in der Übersetzung nichts anderes als Hand und Arbeit. Damit der „Handarbeiter“ seine Arbeit verrichten konnte, wurden die bedauernswerten Kranken mit Fesseln fixiert und von Helfern gehalten. Es standen zur Beruhigung lediglich Kräuter wie die Alraune, Hanf oder Coca und auch Alkohol zur Verfügung, was allerdings nur sehr bedingt und unzureichend helfen konnte. Es gab auch Versuche, durch Kompression der Halsschlagader eine Ohnmacht herbeizuführen. Aber alle Maßnahmen haben wenig oder gar nicht geholfen und der Patient hat vor Schmerzen geschrien. Wenn man sich das vor Augen führt, kann man die Entdeckung der Möglichkeiten zur Anästhesie nur als Segen für die Menschheit feiern.

