Buer – Dienstag, 7. März 1972, 13.15 Uhr

Endlich ertönt die Klingel, die die Schüler für den heutigen Tag aus ihrer Pflicht entlässt. Eilig packen sie ihre Bücher, Hefte und Stifte in ihre Taschen und verlassen den Klassenraum.
„Ich finde, Dagmar benimmt sich immer merkwürdiger. Langsam habe ich das Gefühl, sie übertreibt“, meint Tim.
Friedrich und Elke haben den gleichen Weg nach Hause und schlendern neben Tim, der fortfährt: „Und heute, fürchte ich, hat sie sich so richtig bei dem Langer unbeliebt gemacht.“
„Wieso?“, meint Elke. „Nur weil sie wieder ein paar Minuten zu spät kam? Das juckt die überhaupt nicht. Wenn wir mal ganz ehrlich sind, hat sie bei dem langweiligen Unterricht auch nichts verpasst. Ich finde sie ganz in Ordnung. Sie sagt jedem ihre Meinung und man kann sich hundertprozentig auf sie verlassen, was man nicht gerade von jedem sagen kann.“
„Jetzt fang’ du auch noch an und nimm sie in Schutz! Ich bleibe dabei, dass sie den Bogen manchmal überspannt. Und dann diese ewige Kifferei, die kriegt doch kaum noch etwas mit, so zugedröhnt, wie sie manchmal ist“, meint Tim.
„Ja, da hast du Recht. Überhaupt finde ich, dass Dagmar immer schon etwas komisch und seltsam war“, stimmt ihm Friedrich zu. „So Leute, ich muss jetzt hier abbiegen, weil ich heute noch zu meiner Tante muss. Bei irgendetwas soll ich ihr helfen. Viel lieber würde ich auf den Fußballplatz gehen, aber meine Tante gibt mir immer ein großzügiges Taschengeld, das ich auch gut gebrauchen kann. Also, macht’s gut! Wir sehen uns morgen früh, gleiche Zeit, gleicher Ort.“

Ein paar Jungen hängen noch eine Weile vor dem Schulgelände ab und setzen sich auf die breiten Stufen, die direkt zum Eingang in die große Aula führen.
„Hast du mal eine Zichte?“, fragt Hans-Jürgen seinen Kumpel, der ihm mit einem vorwurfsvollen Blick die Schachtel reicht. „Bist du wieder blank und musst schnorren?“
Ein zögerliches „so in etwa“ ist alles, was Hans-Jürgen hervorbringt, denn er weiß, dass er auch einmal eine Schachtel spendieren müsste.
„Was machst du eigentlich zu deinem Geburtstag?“, will Andreas von Wolfgang wissen.
„Ich hoffe, dass meine Alten nichts dagegen haben und mich im Schrebergarten feiern lassen. Ich hab’ schon mal einen Blick auf den Kalender geworfen. In diesem Jahr kommt das echt blöd aus. Der 19. April fällt auf einen Mittwoch. Unter der Woche kannst du eine Feier vergessen, da kommt niemand. Also kann ich frühestens am Freitag eine Fete geben, das wäre dann am 21sten. Wieso fragst du?“
„Du weißt doch, dass wir am gleichen Tag Geburtstag haben. Können wir den nicht zusammen feiern? Dann teilen wir uns auch die Kosten und ich frage meine Ma, ob sie für uns einen Salat oder so macht.“
Günter findet die Idee Klasse: „Au ja! Das wäre was – mal wieder so eine richtige Party. Dann müsst ihr aber auch ein paar Mädels einladen!“
„Meinst du?“, fragt Wolfgang und sieht schon bessere Chancen seine Eltern zu überreden, wenn er ihnen eine Beteiligung an den Kosten anbieten kann.

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Rainer wird allein bei dem Gedanken an Mädchen ganz anders und ruft aufgeregt: „Genau! Das wär’s! Für die Mädels müsst ihr unbedingt Bowle und so ein Zeug machen. Darauf fahren die nämlich ab, weiß ich von meiner älteren Schwester!“
„Hör mal, nur so nebenbei, wenn du schon von Mädchen sprichst“, bemerkt Andreas mit einem Seitenblick auf Hans-Jürgen. „Dass du es weißt, und ihr alle könnt euch das auch gleich hinter die Ohren schreiben: Von Dagmar lasst ihr eure Finger. Das ist mein Mädchen!“
„Oh, oh… was sind denn das für Töne?“, macht sich Wolfgang über Andreas lustig.
„Verliebt, was?“ Hans-Jürgen grinst frech und Rainer setzt noch eins drauf: „Hast du schon mit der?“
„Meiin Määdchen“, ahmt Wolfgang Andreas nach und biegt sich fast vor Lachen. „Von der sollen wir unsere Finger lassen. Habt ihr das gehört, Jungs? Dabei hat mit der doch schon fast jeder. Die nimmt es nicht so genau und lässt jeden ran!“
„Ach leckt mich doch alle! Ihr könnt mich mal. Aber lasst euch das gesagt sein: In dem Punkt verstehe ich keinen Spaß!“ Andreas wendet sich wütend ab und würdigt seine Schulkameraden keines Blickes mehr.
„Komm, so haben wir das nicht gemeint. Jetzt stell dich nicht so an!“, ruft ihm Hans-Jürgen hinterher und versucht zu beschwichtigen. Aber Andreas hat sich schon auf und davon gemacht.
„So kenne ich Andreas gar nicht“, sagt Wolfgang kleinlaut. „Der ist jetzt ganz schön sauer. Den lassen wir lieber erst mal in Ruhe!“

Meine Frau kommt mit ihrem Mann von Beatrix Petrikowski

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