Auf den Spuren des Steinkohlebergbaus

Schüler einer Gladbecker Schule machten einigen Mitgliedern des REVAG Geschichtskreises Zeche Graf Moltke, die sich in den Schulen stark engagieren, den Vorschlag, doch einmal eine gemeinsame Wanderung zu unternehmen. Daraus entstand die Idee auf den Spuren des Steinkohlebergbaus zu wandern, um für die nächste Generation die Geschichte lebendig zu halten. Im Laufe der Zeit kamen immer wieder neue Stationen hinzu und in Zusammenarbeit mit der IGBCE, unter Federführung des Vorsitzenden Walter Hüßhoff, wurde ein Bergbauwanderweg angelegt, der in einer kleinen Runde von sieben Kilometern, aber auch in voller Länge von zehn Kilometern begangen werden kann. Die Halde mit der schönen Aussicht sollte man in jedem Fall besuchen und Bänke zum Ausruhen laden zum Verweilen ein.

Der Wanderweg beginnt am Festplatz, hinter dem eine Hangböschungshalde zu sehen ist. In den Anfängen des Bergbaus wurde versucht, das anfallende Bergematerial aus dem Streckenvortrieb möglichst unauffällig in der näheren Umgebung der Schachtanlage zu verbringen. Typisch für diese Zeit sind Hangböschungshalden, wobei das Bergematerial einfach an einen Hang geschüttet wurde. Sie waren die Vorläufer der aufgeschütteten Halden, die heute in allen Städten des Ruhrgebiets zu sehen sind.
Die Route geht über das ehemalige Gelände der Schachtanlage Graf Moltke I und II, vorbei an schicken Eigenheimen. Hinter einer kleinen Einzäunung zeugen zwei eiserne Schachtdeckel mit Protegohauben von der Existenz der längst abgerissenen Fördertürme. Auf dem Gelände des Freizeittreffs Karo, das aus vier einzelnen Häusern besteht, befindet sich eine Schautafel mit einem Luftbild der Schachtanlage aus dem Jahre 1927 und einigen Informationen. Dahinter sind am Spielplatz die Überreste der Grundmauer des alten Lokschuppens zu sehen.
Bevor es in gemächlichem Anstieg auf die Moltke-Halde geht, von der die Teilnehmer der Wanderung einen herrlichen Blick auf die Schachtanlagen Hugo und Nordstern, die Rungenberghalde, den Tetraeder, die Stadt Gladbeck oder auch die Schalke Arena genießen können, führt der Weg durch drei Moltkesiedlungen an einer weiteren Schautafel vorbei, die über die Entstehung der Siedlungen durch die Gemeinschaftsarbeit der Bergleute informiert.

Foto: Die III. Moltkesiedlung
Die III. Moltkesiedlung

Eine weitere Station ist das ehemalige Gelände der Zeche Graf Moltke III und IV, das saniert wurde und auf dem der „Gewerbepark Brauck“ entstanden ist. Lediglich ein altes Kauengebäude, in dessen Turm sich einmal auf allen vier Seiten eine Zechenuhr befand, ist noch erhalten geblieben. In der Phönixstraße wurden von 1898 bis 1901 Wohnungen für Bergwerksangestellte errichtet, die inzwischen zum größten Teil restauriert wurden und neue Bewohner fanden. Nach einem Abstecher in die IV. Moltke-Siedlung ist im weiteren Verlauf hinter den Häusern der Steinstraße ein Stück der alten Zechenmauer zu sehen.
Eine Besonderheit, die man aber leider nicht besichtigen kann, weil akute Einsturzgefahr besteht, ist ein Stollenkrankenhaus, das im Januar 1945 errichtet wurde. Der Stollen in der Moltke-Halde diente der Bevölkerung während der Bombenangriffe als Bunker. Wegen der völligen Zerstörung des Barbara-Hospitals wurde in dreimonatiger Bauzeit das Stollenkrankenhaus errichtet. Bergleute, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, aber auch Freiwillige arbeiteten fast ununterbrochen, Tag und Nacht, daran.

Foto: Ärzte und Schwestern vor dem Notkrankenhaus
Ärzte und Schwestern vor dem Notkrankenhaus Foto: Privatbesitz Manfred Samen

Fast wieder zurück am Ausgangspunkt, führt der Weg durch die Moltkestraße, die nach dem Krieg in Uhlandstraße umbenannt wurde. Dort steht die älteste Zechensiedlung von Gladbeck, die im Jahr 1888 von der Zeche „Graf Moltke“ errichtet wurde und dessen ältester Teil heute unter Denkmalschutz steht. Vier Familien, die zusätzlich verpflichtet waren, einen Kostgänger aufzunehmen, bewohnten ein solches Haus, zu dem jeweils ein Stall, ein Schuppen und ein Plumpsklo gehörte.

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Die Erweiterung des Wanderweges führt nun zum Stadtteilpark Butendorf und weiter zur Bergbausiedlung Dieckmannshof, die im Volksmund „Koreasiedlung“ genannt wird. Weiter geht es durch die alte Zechenkolonie in der Wielandstraße über die Landstraße zur Kiebitzheidestraße, auf der die Häuser bereits um 1897 errichtet wurden.
Wer den kürzeren Weg gehen möchte, läuft direkt auf die weithin sichtbare Lambertikirche zu. Auf dem Kirchplatz ist eine Skulptur von 1823 zu bewundern, die das alte Dorf mit dem ursprünglichen Bachverlauf zeigt, das mit „Gladebecke“ Pate für die spätere Namensgebung stand.
Vorbei am historischen Rathaus, vor dem eine weitere Schautafel mit Informationen aufgestellt wurde, endet der Bergbauwanderweg im Rathauspark. Hier sind zwei Kunstwerke zu finden: Der „Stein des Bergmanns“ von Anatol, der bei den Bergleuten wenig Anklang fand und die Stadtgeschichtssäule des Gladbecker Bildhauers Gottfried Kappen.

Damals auf Graf Moltke von Beatrix und Michael Petrikowski

Cover von Damals auf Graf Moltke von Beatrix und Michael Petrikowski
Books on Demand 2013
Broschur
76 Seiten
ISBN 978-3-7322-8884-7

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